Neurowissenschaftliches Experiment Wenn männliche Mäuse einsam sind, neigen sie zum Alkohol

2026-08-27 https://www.spiegel.de/wissenschaft/einsamkeit-bei-maeusen-wenn-maennliche-tiere-einsam-sind-neigen-sie-zum-alkohol-a-128ea40f-e6f5-4148-9ab4-2287524b7608 HaiPress

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Maus (Symbolbild): Wurden die Mäuse isoliert,wählten die Männchen häufiger den Behälter mit dem Alkohol

Foto: JACOBSTUDIO / dpa / picture alliance

Im Gehirn von männlichen Mäusen haben Forschende einen Mechanismus entdeckt,der wohl das Verlangen nach Alkohol auslöst,wenn die Tiere einsam sind. Das schreibt ein Team von Neurowissenschaftlern aus den USA im Fachblatt »Nature Neuroscience«.

Die Forschenden um Reesha Patel von der Northwestern University in Chicago machten den Signalweg mithilfe eines speziellen Verfahrens sichtbar. Dabei interessierten sie sich für die Verbindung zwischen der Amygdala und dem präfrontalen Kortex. Wurden die Mäuse in Gruppen gehalten und dann isoliert,wurde diese Verbindung deutlich aktiver und die Mäuse waren stärker dem Alkohol zugeneigt.

Für das Experiment wurden die Tiere unter anderem mit sogenannten Miniscopen ausgestattet. Mit diesen Instrumenten konnten die Forscher die Aktivität der ausgewählten Gehirnregionen in Echtzeit verfolgen,während sich die Tiere frei in den Gehegen bewegten. Die Mäuse durften zwischen zwei Getränkebehältern wählen. Einer enthielt reines Wasser,der andere eine 15-prozentige Alkohollösung.

Weibchen tranken weniger Alkohol

Wurden die Mäuse isoliert,wählten die Männchen häufiger den Behälter mit dem Alkohol. Weibchen hingegen reagierten genau entgegengesetzt – sie reduzierten ihren Alkoholkonsum.

»Unsere Untersuchungen zeigen,dass ein bestimmter Signalweg während der Isolation überaktiv wird und direkt zu erhöhtem Alkoholkonsum führt,und dass Männchen und Weibchen in Einsamkeit auf unterschiedliche neuronale Strategien zurückgreifen«,sagt Reesha Patel.

Wie es zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden kommt,können die Autorinnen und Autoren allerdings bisher nicht erklären. Möglich sei,dass es tiefer liegende Unterschiede bei den Signalwegen in den Gehirnen gebe. Aber auch hormonelle Unterschiede könnten eine Rolle spielen. Das wollen die Forschenden in kommenden Studien näher untersuchen.

Bereits jetzt gelang es ihnen aber,den wohl für die Neigung zum Alkohol entscheidenden Verbindungsweg im Gehirn der Mäuse mithilfe von Lichtsignalen gezielt zu manipulieren. Aktivierten sie die Verbindung bei den in Gruppen gehaltenen Männchen,steigerte das deutlich deren Lust auf Alkohol – die Tiere verhielten sich also so wie in der Isolation,obwohl sie nicht einsam waren. Hemmten die Forscher den aktivierten Signalweg bei einsamen Mäusen,tranken diese wiederum deutlich seltener Alkohol.

Die Erkenntnisse liefern laut den Forschenden auch mögliche Ansatzpunkte,Alkoholismus bei Menschen besser zu verstehen. Denn die Fehlsteuerung der Signalwege im Gehirn der Mäuse weise ähnliche Muster auf,wie sie auch bei Menschen beobachtet würden. Auch dort spielt der präfrontale Kortex laut klinischer Forschung eine zentrale Rolle dabei,wenn mit Alkohol verbundene Reize bei abhängigen Menschen Suchtdruck und Rückfälle auslösen.

Auch den Geschlechterunterschied im Umgang mit Einsamkeit beobachten Forschende bei Menschen. So hatten Wissenschaftler 2025 etwa die Daten von rund 17.800 Teilnehmenden dreier großer Kohortenstudien aus Deutschland ausgewertet. Die Analyse zeigte,dass einsame Männer tendenziell häufiger Alkohol tranken und dabei höhere Risiken für ihre Gesundheit eingingen. Frauen,die sich einsam fühlten,neigten dagegen deutlich seltener zu riskantem Konsum als Frauen,die nicht einsam waren. Ob die Erkenntnisse aus den Experimenten mit den Mäusen auf Menschen übertragbar sind,ist aber offen und soll erst in späteren Studien untersucht werden.

Der Anteil alkoholabhängiger Frauen in der Bevölkerung hat sich seit 2018 fast verdoppelt. Warum das so ist und was Betroffenen hilft,lesen Sie hier.

ani/dpa

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